News aus der Dorfelder Strasse

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Sonntag, November 08, 2009

Salar de Uyuni: Chile - Bolivia - Argentina in vier Tagen


Am Mittwoch ging unser erstes richtiges Abenteuer los. Wir buchten einen dreitägigen Ausflug nach Bolivien um uns dort die einzigartige Natur anzuschauen. Wir wurden pünktlich abgeholt und lernten gleich unsere sympathischen Mitreisenden kennen. Mit vier weiteren jungen Leuten (zwei Deutsche, ein Holländer und ein Brasilianer) teilten wir uns für die nächsten Tage einen Jeep. Zum Glück hat die Chemie gestimmt und so versprach die Tour sehr lustig zu werden.

Angefangen haben wir auf über 4000 Metern am Grenzübergang zu Bolivien, der ca. 40 km von San Pedro entfernt ist. Dort teilten wir uns ein Frühstück mit einer ziemlich ausgehungerten Truppe, die gerade auf der Rückreise von Uyuni waren. Zum Glück funktionierte der Kontakt zwischen unserem Brasilianer und einer Brasilianerin aus der anderen Gruppe wunderbar, sodass diese uns ihre Tüte mit Koka-Blättern schenkte, da die Einfuhr nach Chile sowieso verboten ist. Wir sollten ihr noch mehrfach dankbar sein, denn die Höhe (wir bewegten uns auf bis zu 4.900 m) hat uns relativ schnell zugesetzt. Aber dank Koka-kauen und regelmässigen Aspirin-Dosen haben wir die Höhe ganz gut verkraftet. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass wir für die nächsten 72 Stunden keine Strasse mehr sehen sollten. Mit unserem Jeep ging es also querfeldein durch das bolivianische Hochland. Wir kamen relativ schnell bei einer von vielen Lagunen an und zückten sogleich unsere Fotoapparate, da wir hier unzählige Flamingos beim futtern beobachten konnten. Bei diesem Stop hatten wir auch noch einmal die Möglichkeit in einer heissen Quelle zu baden - denn wir fuhren durch eine Vulkanlandschaft. So konnten wir auch aus der Entfernung ein paar rauchende Berge erkennen :-) Ganz gemütlich erreichten wir am frühen Nachmittag unser ersten Refugium. Ein Hostel war es nicht, mehr eine Hütte mit zwei Toiletten und zwei Kaltwasser-Waschbecken, wo wir die Nacht alleine (zu sechst) in unserem Dorm verbrachten. Zwei bolivianische Mädels kochten uns dann noch ein leckeres Abendessen! Tütenpüree und angebratene Wiener waren nach dem Tag ein lukullischer Hochgenuss! Vorm Sonnenuntergang haben wir uns dann nochmal rausgetraut und bei einem Spaziergang viele blöd dreinschauende Vicunas beobachtetet, die vor einer weiteren Flamingo-Lagune gefaulenzt haben. Highlight des Tages: Auf jeden Fall die tausende Flamingos, die wilden Lamas und der ein oder andere rauchende Vulkan!

Am zweiten Tag wachten wir mit der Sonne auf und waren froh, dass es relativ früh weiter ging. Mit einer Doppelportion Aspirin und unserer ersten Dosis Kokablätter waren wir so langsam abfahrbereit und konnten relativ schnell wieder einzigartige Eindrücke der Landschaft geniessen. Das Highlight des Tages war der Arbol de Piedra, ein Stein der in tausenden von Jahren durch die konstanten Sandstürme die Form eines Baums angenommen hat. Rodrigo, unser brasilanischer Kollege, konnte uns an jeder Station etwas interessantes erklären, da er Geologe ist. Und so konnten wir später noch komplett grüne Felsketten bewundern, die mit einem moosartigen Pilz so grossflächig bewachsen sind, dass man meint man fährt durch eine grüne Landschaft - obwohl es hier nur ca. einmal im Jahr etwas Niederschlag gibt.

Am Abend erreichten wir San Juan de Rosario, ein kleines Dorf mit einem Kolonialwarenladen (mit Uraltschokolade aus einem Glas :) ), einem benachbarten Café und einem Salz-Hostel. Wir hatten extra die teurere Tour gebucht, um zumindest am zweiten Abend warmes Wasser und eine Dusche in einem Salzhostel geniessen zu dürfen. Genau! Das ganze Gebäude war aus nichts als Salz gebaut, selbst der Boden bestand nur aus Salzkristallen, ähnlich grobem Meersalz, was man daheim zum Kochen verwendet. Der Abend war dann nicht ganz so gemütlich, weil wir in dem Hostel nicht mehr unter uns waren, sondern noch 5 andere Jeeps zu uns stiessen, mit denen wir uns die einzige Dusche und die zwei Waschbecken teilen mussten. Also entschloss sich unsere Gruppe dazu das Dorf zu erkunden. Wir mussten durch den Sandsturm und vorbei an einer Herde Vicunas ca. 15 Minuten laufen, bis wir zur "Cafeteria with Beer & Wine" ankommen sollten. Irgendwie war man auf Besucher nicht eingestellt, da in der ganzen Bierbar nur eine Flasche lauwarmen Huasi Bier verfügbar war. So teilten wir uns diese Flasche zu dritt, während die anderen drei auf eine Tasse Kamillentee auswichen. Ein bizarrer Ort! Da der Ort nichts weiter zu bieten hatte, gingen wir zurück ins Hostel und warteten auf unser Abendessen: Zähes Lama-Kotelett mit jeweils drei Scheibchen Bratkartoffeln für jeden. Abgezählt! Also ging es mehr oder weniger hungrig und früh ins Bett.

Der Samstag war das absolute Highlight der Bolivientour - wenn nicht sogar der ganzen Reise! Da wir, im Gegensatz zu den trinkfesten Briten aus den anderen Jeeps - schon vor sieben Uhr abfahrtsbereit auf unseren Fahrer warteten, waren wir an jeder der Stationen die einzigen Besucher. Das Frühstück bestand nur aus einer Tasse Instant Kaffee da man mit den 3 Tage alten Brötchen unsere Feinde hätten erschlagen können und der Joghurt nach 3 Tagen ungekühlter Fahrt im Kofferraum gefährlich ausgebeult aussah. Nach wenigen Kilometern hatten wir es endlich direkt in die Salzwüste - die Salar de Uyuni - geschafft. Soweit das Auge reichte - bis zum Horizont - nur Salzboden! Ohne Sonnenbrille hätten wir gar nicht überlebt! Der Boden der Salzwüste ist hart wie Beton und so eben, dass unser Guide ohne Lenken und schauen einfach mit Vollgas losgebrettert ist. Bei einem ersten Stop haben wir dann die obligatorischen witzigen Fotos gemacht - ein paar Beispiele hier :-)

Gegen mittag haben wir in der Mitte des 12.000 km² Areals eine kleine Oase entdeckt. Die Isla Inca Huasi bzw. Fishermens Island! Ein kleiner Hügel mitten in der Salzwüste, der komplett mit riesigen Kakteen bedeckt ist. Die Kakteen waren in der Regel 8-10 Meter hoch und jeweils über 1000 Jahre alt. Hier rebellierten wir dann auch wegen unsere grummelnden Mägen und so wurde uns noch vor 11 Uhr das Mittagessen aufgebaut! Flamingoschnitzel und Kartoffeln, garniert mit Mayo, Ketchup und Senf ein Festessen. Was hätten wir daführ bezahlt, wenn es nicht eh inklusive gewesen wäre ;-) Das bolivianische Großmütterchen hatte ihren Spass daran, wie unser Guide uns "veräppelte" und kam danach zu unserem Tisch um uns zu verraten, dass wir doch nur ein normales Hühnerschnitzel vorgesetzt bekommen hatten. Nach dem Essen ging es weiter quer durch die Wüste, bis wir am Nachmittag endlich Uyuni, und damit das Ende unserer Tour erreichten. Leider musste sich hier auch unsere Gruppe teilen. Zwei von uns fuhren mit dem Nachtbus weiter in die bolivianische Hauptstadt La Paz, zwei noch am Abend wieder in Richtung Chile und wir zwei machen uns auf die Suche nach Bahntickets in Richtung Südbolivien.

Ganze drei Mal pro Woche gibt es nämlich einen Zug von Uyuni nach Villazon an der argentinischen Grenze. Während unser Lonely Planet eindringlich warnte, man solle seine Bahntickets so früh wie möglich kaufen bestand unsere Tour-Agentur darauf, dass das überhaupt kein Problem wäre und wir jederzeit Bahntickets bekommen. Und so warteten wir am nachmittag vor dem verschlossenen Bahnhof auf den Bahnhofschef um Tickets zu kaufen. Ganz Südamerika-Like kam der Herr mit ca. einer halben Stunde Verspätung gemütlich angeradelt, um den Bahnhof aufzuschliessen und uns mitzuteilen, dass er eh keine Tickets mehr zu verkaufen hat - der Zug wäre - wie immer - eh schon seit Tagen ausverkauft. Unsere Laune und unsere Meinung zu unserem Touranbieter, und ja, auch zu Bolivien allgemein, dreht sich innerhalb von Minuten um 180 Grad. Nach dem Zug am Freitag ging der nächste erst wieder am Montag und es gab nur noch eine einzige Alternative - ein Bus am Samstag zur Grenze, von dem uns aber unser Guide schon in Chile abgeraten hatte, da die Busse zu alt, unkomfortabel und oft kaputt wären. Also gaben wir nicht auf, sondern setzten den Hundeblick auf und bewegten uns nochmal zum Bahnhof um zu erklären, dass wir ja unbedingt mit diesem Zug mitkommen müssten. Und prompt sagte der Bahnhofsvorsteher, wir sollten in einer 3/4 Stunde nochmal kommen und dann wüsste er, ob eventuell kurzfristig noch Plätze freigeworden wären. Kurzum: Nach ca. 1 Stunde warten im Bahnhof haben wir dann unsere 1.Klasse Tickets für 15 Euro für die 8 Stunden-Bahnfahrt bekommen. Da es von 16 Uhr bis zur Abfahrt des Zuges um 22:40 doch noch etwas Zeit war und das Städtchen ansonsten auch nicht weiter einladend war (deswegen wollten wir auch möglichst am gleichen Abend weg!) suchten wir uns ein Hotelzimmer um noch eine kleine Siesta zu halten und vor allem nochmal duschen zu können. Ja, Bolivien ist ein Reiseziel für Schwaben, denn hier bekamen wir das saubere Zimmer für ganze 5 Euro! Und auch beim Abendessen merkten wir noch einmal das Preisgefüge, denn die Tage vorher hatten wir ja keine Möglichkeit Geld auszugeben. Für ein komplettes Abendessen mit 3 Flaschen Bier zahlten wir letztendlich 9 Euro...

Der Nachtzug kam pünktlich und war sogar einigermassen komfortabel, sodass wir 8 Stunden so gut durchgeschaukelt wurden, dass wir fast komplett durchgeschlafen haben. Kurz vor Ankunft des "Express del Sur" in Villazon kam der Zugchef in die erste Klasse und teilte uns mit, dass in unserem Ticket das Frühstück im Speisewagen inklusive war. Bevor sich der Rest in Bewegung setzte, sassen wir schon gespannt am Panoramafenster im Speisewagen und warteten was da wohl kommen würde. Und so kam tatsächlich ein halbes Toastbrot, ein Rührei (ja, von einem Ei :-) ) und etwas Marmelade und Kräcker sowie ein landestypischer Kaffee. Der wird nämlich so eingekocht und reduziert, dass man für einen großen Kaffeepott maximal ein Schnapsglas voll Kaffee braucht und den Rest mit warmer Milch auffüllt. Und so endete unser Trip nach Bolivien heute morgen um kurz nach 7 Uhr in Villazon. Für 30 cent nahmen wir uns ein Taxi zur Grenze, reisten in Bolvien aus - wanderten mit unserem Gepäck ca. 10 Meter über eine kleine Brücke um gleich wieder in La Quaiaca in Argentinien einzureisen. Das Willkommenschild sagte uns ausserdem gleich voraus, was uns innerhalb der nächsten Woche erwarten wird. Von La Quaiaca als eine der nördlichsten Städte Argentiniens bis nach Ushuaia als südlichste Stadt sind es nämlich über 5.100 km, die wir irgendwann Mitte nächster Woche per Flugzeug zurücklegen wollen. Aber jetzt, wo wir das schreiben, sitzen wir noch immer im Langstreckenbus nach Salta und geniessen die Aussicht auf Nordargentinien. Auch hier einzigartige Felsenformationen und Natur. Neben den hunderten Lamas, die neben und über die Strasse wandern, sahen wir heute auch noch eine Vielzahl von Eseln! Und wo wir schon wieder einen dreiviertel Tag ununterbrochen unterwegs sind, freuen wir uns am meisten auf eine heisse Dusche und frische Kleidung, um dann vielleicht noch einen ersten Eindruck von Salta zu bekommen!